Praxis & Anwendung

Ein CMS, das auf Zuruf reagiert — Kirby + MCP als Publikations-Workflow

Was passiert, wenn man ein leichtgewichtiges CMS mit einem KI-Assistenten verbindet — und warum das besonders für kleine Redaktionen interessant ist.

Kirby ist ein CMS ohne Datenbank. MCP verbindet es mit Claude. Zusammen ergibt das einen Publikations-Workflow, der von der Recherche bis zur Veröffentlichung aus dem Chat heraus funktioniert. Ein Produktkonzept.

Die Idee

Stell Dir vor, Du bist Journalist. Freiberuflich, unterwegs, ein Thema im Kopf. Du öffnest den Browser auf dem Handy, tippst in einen Chat:

«Ich war heute beim Kantonsrat. Thema war die neue Parkplatzverordnung. Hier meine Notizen: [Stichpunkte]. Mach daraus einen Entwurf, 400 Wörter, sachlich.»

Drei Minuten später liegt ein Artikelentwurf auf dem Server. Nicht als Datei auf Deinem Handy, nicht als Notiz in einer App — direkt im Redaktionssystem. Die Chefredaktorin sieht ihn im Panel, redigiert, klickt auf «Publizieren». Fertig.

Das ist kein Zukunftsszenario. Das ist der Workflow, der auf qzen.ch bereits produktiv läuft — mit Kirby als CMS und einem MCP-Server als Brücke zu Claude.

Die Zutaten

Der gesamte Stack besteht aus wenigen Komponenten:

  • Kirby CMS — ein Flat-File-CMS ohne Datenbank. Inhalte sind Textdateien in Ordnern. Kein MySQL, kein Migrationsproblem, Backups per Dateikopie. Für kleine bis mittlere Websites genau richtig.

  • MCP-Server — ein kleiner Python-Dienst auf demselben Server, der Claude Zugriff auf das Dateisystem gibt. Dateien lesen, schreiben, Verzeichnisse listen, Shell-Befehle ausführen. Abgesichert mit OAuth über GitHub.

  • Claude Web-Interface — das Chat-Interface von Anthropic. Verbindet sich über einen Custom Connector mit dem MCP-Server. Von jedem Browser aus nutzbar.

Das Ergebnis: Ein CMS, das auf natürliche Sprache reagiert. Nicht über eine klobige Admin-Oberfläche, sondern über einen Chat. «Erstelle einen neuen Artikel in der Kategorie Lokales» funktioniert genauso wie «Zeig mir alle Entwürfe von diese Woche».

Warum Kirby?

Es gibt Hunderte Content-Management-Systeme. WordPress allein betreibt über 40% aller Websites weltweit. Warum also Kirby?

Weil Kirby Textdateien verwendet. Keine Datenbank, kein SQL, keine Abstraktion. Ein Artikel ist ein Ordner mit einer Textdatei darin. Wenn Claude eine Datei schreibt, ist der Artikel da. Kein API-Wrapper, kein Datenbank-Adapter, kein Plugin, das zwischen KI und Inhalt vermitteln muss.

Das macht die Integration nicht nur einfacher — es macht sie transparent. Man kann jederzeit in den Ordner schauen und sehen, was die KI geschrieben hat. Mit einem normalen Texteditor. Keine Blackbox.

Der Mehrbenutzer-Aspekt

Kirby hat ein eingebautes Rollensystem. Für den Redaktions-Workflow bedeutet das:

  • Journalist: Kann Entwürfe erstellen, aber nicht publizieren. Der Chat mit Claude erzeugt Dateien auf dem Server — im Status «Entwurf».
  • Redaktion: Sieht alle Entwürfe im Panel, kann redigieren, freigeben, publizieren.
  • Administrator: Verwaltet Benutzer, Struktur, Einstellungen.

Der Journalist muss das Panel nie sehen. Er arbeitet im Chat. Die Redaktion muss den Chat nie sehen. Sie arbeitet im Panel. Zwei Interfaces, ein System, klare Trennung.

Was das kostet

Die Kalkulation ist überschaubar:

  • Server: Ab 4 Franken pro Monat (Hetzner CX22)
  • Domain: Ca. 15 Franken pro Jahr
  • Kirby-Lizenz: 99 Euro einmalig (Basic) oder 349 Euro (Enterprise)
  • Claude-Subscription: 20 Dollar pro Monat (Pro) — für den MCP-Connector
  • Setup: Die technische Einrichtung dauert einen Tag, wenn man weiss was man tut

Kein laufendes Hosting bei einem Managed-WordPress-Anbieter für 30 Franken im Monat. Keine Datenbank, die gewartet werden muss. Keine Plugin-Updates, die alles zerschiessen. Und der MCP-Server ist ein Python-Script von wenigen Dutzend Zeilen — kein Enterprise-System.

Für wen ist das?

Der Stack ist nicht für jeden. Er ist für Leute und Organisationen, die:

  • Schnell publizieren müssen — Lokaljournalismus, Event-Berichterstattung, Projekt-Updates
  • Von unterwegs arbeiten — kein Laptop nötig, ein Browser auf dem Handy reicht
  • Klare Rollen brauchen — wer schreibt, wer redigiert, wer publiziert
  • Kontrolle wollen — keine Cloud-Plattform, eigener Server, eigene Daten
  • Klein anfangen wollen — und bei Bedarf wachsen können, ohne Migration

Das sind Freelance-Journalisten, kleine Redaktionen, Vereine mit Mitteilungsblatt, Forscher mit Projektwebsite, Lehrer mit Kursplattform. Menschen, für die WordPress zu viel und Instagram zu wenig ist.

Wie es weitergeht

Dieser Stack läuft produktiv auf qzen.ch. Die Artikel, die Du hier liest, wurden über genau diesen Workflow erstellt — Claude im Chat, MCP auf den Server, Kirby als CMS.

Die technischen Details — wie der MCP-Server aufgesetzt wird, was dabei schiefgehen kann und wie man es absichert — stehen im ersten Beitrag dieser Serie.


Konzept entwickelt im März 2026. Der beschriebene Stack läuft produktiv auf einem Hetzner CX23 mit Kirby 5.2.3, FastMCP und Claude Web-Interface.