Fundstücke
Death by Clawd — wer überlebt die KI, und wer ist schon tot?
Ein Scanner, ein Abend, viele Leichen — und eine Textdatei die alles ersetzen will
Ein Tool scannt Webseiten und bewertet ob sie durch eine KI-Skill-Datei ersetzbar sind. Von EMC Partner (unsterblich) über das ZDF (verfassungsrechtlich geschützt) bis zu qzen.ch (bereits tot). Eine Fundstück-Sammlung.
Ein Prompt, eine Webseite und eine Menge Grabsteine
Death by Clawd macht etwas, das eigentlich verboten sein sollte: Es sagt dir ins Gesicht, ob dein Geschäftsmodell durch eine Textdatei ersetzbar ist.
Das Prinzip: URL eingeben, Claude analysiert die Webseite, und heraus kommt ein Score von 0 (unsterblich) bis 100 (schon begraben) — garniert mit einem Totenschein, fiktiven letzten Worten und einer tatsächlichen Skill-Datei, die das Geschäftsmodell ersetzen soll. Gebaut von einem Entwickler namens Sam Williams, an einem Wochenende, mit einem einzigen guten Prompt. Philipp Klöckner nannte es im Doppelgänger-Podcast die Website des Jahres. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Was als kurzer Test begann, wurde ein ganzer Abend. Und das lag nicht an den Scores — die sind bestenfalls grobe Schätzungen. Es lag an den Texten. Der Humor dieses Tools ist so treffsicher, daß man jede einzelne Diagnose lesen will.
EMC Partner — 12/100, Safe
Zuert die Firma für die ich arbeite. EMC Partner AG baut Geräte die Blitze auf Elektronik schießen. Achttausend Volt auf ein Bauteil, und dann schaut man ob es noch lebt. Der Scanner hat sofort verstanden, daß man das mit einer Markdown-Datei eher nicht hinbekommt.
«I must respectfully note that I am unable to discharge 30 amps of transient current through your prototype. Some things require atoms, and I am regrettably atom-free.»
Und die Skill-Datei die das Tool als Ersatz generierte, kapituliert selbst: «Cannot actually generate 8kV electrostatic discharges. Seriously, this is hardware. Go buy the equipment.»
Ich werde diesen Totenschein rahmen lassen.
qzen.ch — 89/100, Already Dead
Dann mal sehen wie qzen.ch abschneidet. Wenn schon denn schon.
Cause of Death: «Sold maps to a jungle that paved itself into a highway.»
Last Words: «But… but we had PRACTICE-ORIENTED insights! We were FROM practice, FOR practice! You can’t just… prompt that!»
Und dann wechselt das fiktive Claude mittendrin ins Deutsche: «Aber ich sage das natürlich mit allem Respekt.» — Was für eine Ohrfeige mit Samthandschuh.
Kein Problem. Damit kann ich leben. Oder ick hacke die Seite und schiebe ihr einen eigenen Prompt unter….. (;
Das Muster: Atome schlagen Tokens
Nach ein paar weiteren Scans zeichnete sich die Formel ab. Je weiter weg von physischer Realität, Gesetzen und Infrastruktur, desto toter. Je näher an Atomen, Verfassungsrecht und Armeen, desto unsterblicher. Oder in der Sprache des Tools: You cannot npm uninstall a sovereign nation.
29 Punkte, Status: Sweating. 200 Mann Redaktion gegen eine Textdatei mit dem Prompt «summarize the world». Das tut weh, auch wenn es übertrieben ist — investigative Recherche wird man so schnell nicht wegprompen. Also liebe Spiegel Redaktion, Recherche. Habt ihr doch nicht verlernt, oder?
Das ZDF — Score 8, Immortal. Recurring Revenue per Gerichtsbeschluß, seit Jahrzehnten, von 83 Millionen Abonnenten die nie unterschrieben haben. Stripe kann davon nur träumen.
«You cannot kill what was never truly alive.» — bundesregierung.de in einem Satz. Die fiktiven letzten Worte sind allerdings die eigentliche Perle: Eine Arbeitsgruppe soll die Machbarkeit der Bewertung einer möglichen Reaktion auf die Disruption evaluieren. Ergebnisse Q3 2029. Wer deutsche Bürokratie kennt, weiß: Das ist kein Witz, das ist eine Prognose.
Score 3. Fünftausend Jahre Betriebszugehörigkeit. «We don’t pivot. We issue a new Five-Year Plan.» Ich bin fast vom Stuhl gefallen.
Der Scanner scannt sich selbst
Natürlich mußte ich am Ende deathbyclawd.com durch den eigenen Scanner jagen. Die Nagelprobe:
92 von 100. Rekursive Selbstzerstörung. The call is coming from inside the house.
«You essentially built a website around a system prompt that I’m running right now, in this very conversation. It’s like paying for a gift-wrapped box that contains… the air you were already breathing.»
Die Skill-Datei die das Tool für sich selbst generierte, dürfte ziemlich nah am tatsächlichen Prompt liegen. Ein Wochenend-Projekt. Ein einziger guter Prompt. Ein hübsches Frontend. Unterhaltsamer als alles was das deutsche Fernsehen dieses Jahr produziert hat. Respekt. Das ist Phantasie, Witz, Ironie, ein buntes Feuerwerk. Und es zeigt nebenbei dass der Stoff aus dem sowas gemacht ist rein menschlicher Natur ist. Der Mensche streut seinen Feenstaub (den Prompt) in die KI Cloud die dann unermüdlch neue Variationen hervorbringt.
Die Diagnose hinter der Diagnose
Die Scores sind Unterhaltung. Aber das Muster dahinter ist echt.
Nur wer im Stande ist KI Technologie zu verstehen kann sie gewinnbringend einsetzen.
In dem Fall ist der Gewinn jede Menge Spass.
Ein Entwickler, ein Wochenende, ein Prompt. Viral gegangen, im Doppelgänger-Podcast besprochen, in Gaming-Foren zum Volkssport geworden (jemand hat Gott gescannt — Score 0, Nietzsche hat 1882 einen Bug Report eingereicht).
Der Prompt macht die Musik. In dem Fall waren die Entwickler Meister des Prompting. Das Ergebis hat es gezeig.
deathbyclawd.com — Tipp via Doppelgänger Podcast und Andreas Käser / Büro für KI.